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Ukrainisch-Ortodoxe Gemeinde St. Wolodymir

GESCHICHTE
(von Zenon und Walentina Terezhkun für das Zeitschrift  "Religionen in Hannover"  in Jahre 1997)

Die Anfänge

Die Ukraine, oder mit den Worten der geschichtlichen Terminologie die alte Rusj oder Kiewer Rusj, hat im Jahre 988 durch den Kiewer Großfürsten Wolody- myr (den Heiligen) das Christentum aus Byzanz angenommen. Kiewer Rusj setzte sich aus vielen Stämmen zusammen, wobei Hauptstadt und Sitz des wichtigsten Fürsten die Stadt Kiew am Dnjepr war. In dieser Zeit kann man weder von einer Ukraine noch von Rußland oder Bjelorusj im heutigen Sinne dieser nationalen und staatlichen Bezeich-nungen sprechen. Die Christianisierung von 988 gehört also mehreren Völkern, vor allem den Ukrainern, Russen und Bjelorus- sen und ist noch vor der Trennung der römischen und byzantinischen Kirche im Jahre 1054 geschehen. Das Christentum der Kiewer Rusj war östlichen Typs. Die neue Kirche unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel und übernahm die slavische Kirchen- und Liturgiesprache. Sie knüpfte zwar an die byzantinische Tradition an, besaß jedoch von Anbeginn ihres Bestehens bereits besondere eigenständige Züge. Es wurden Verbindungen zur deutschen Kirche hergestellt, worüber die deutschen Chronisten wie Tiethmar von Mersen- burg (976 - 1018), Lambert von Hersfeld u.a. berichten. Als weitere wichtige historische Beziehungen zum Westen, insbesondere zu Rom, kann man folgende Ereignisse erwähnen:
1418 nahm der Metropolit von Kiew und der ganzen Rusj, Gregor Zamblak, am Konzil von Konstanz teil, um wegen der Union mit Rom zu verhandeln.
 Auf dem Konzil von Ferrara- Florenz (1437 - 1439) nahm der Metropolit von Kiew und der ganzen Rusj, Isidor, als Anhänger des Ökumenischen Patriarchen Joseph die Union an und verließ Florenz als Legat des Papstes Eugen IV. für Ruthenien (Ukraine), Litauen, Livland und Polen.
 Die Mehrzahl der orthodoxen Bischöfe von Kiewer Metropolie unterstellte sich 1596 dem Papst auf der Grundlage der Ergebnisse des Konzils von Ferrara- Florenz. Rom gestattete ihnen die Beibehaltung des byzantinischen Ritus. So wurde die orthodoxe Kiewer Metropolie in zwei Glaubensgemeinschaften geteilt:
Aus der Union mit Rom ist die Ukrainische Griechisch-Katholische (Unierte) Kirche entstanden. Nach der Erneuerung der orthodoxen Hierarchie (1620) und der Wahl des Abtes Petro Mohyla zum Metropoliten von Kiew ist die orthodoxe Kiewer Metropolie zu neuem Leben erweckt worden. Aber schon 1686 hat Moskau beim Patriarchen von Konstantinopel die Unterordnung der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, also der Kiewer Metropolie, unter die Jurisdiktion des Moskauer Patriarchen erreicht. Es war ein unkanonischer Akt gewesen, was später auch vom Ökumenischen Patriarchen bestätigt wurde. Nach der Entstehung des ukrainischen unabhängigen Staates im Jahre 1919 wurde die Autokephalie der Ukrainischen Orthodoxen Kirche proklamiert. In den 1930er Jahren wurde diese Kirche durch das kommunistische Regime total vernichtet. Über 30 Bischöfe wurden verhaftet und umgebracht. Erst 1941 - 1942 wurde während der deutschen Okkupation der Ukraine die Ukrainische Orthodoxe Kirche wiederhergestellt, aber schon Mitte 1944, kurz vor der Rückeroberung der Ukraine durch die sowjetischen
Truppen, mußte die gesamte Hierarchie die Ukraine verlassen und ins Ausland gehen. Die Ukrainische Orthodoxe Kirche hatte in der Ukraine wieder aufgehört zu existieren. Sie konnte nur im Exil in Westeuropa, USA, Kanada, Südamerika und Australien weiterbestehen. Nach dem Zerfall der UdSSR und der Wiederherstellung des selbständigen urkrainischen Staates wurde auch die Ukrainische Or-thodoxe Kirche neu organisiert. Aufgrund der politischen Verhältnisse gibt es z.Zt. leider drei ver-schiedene Abzweigungen der Orthodoxen Kirche in der Ukraine:
1. Ukrainisch-Orthodoxe Kirche, Kiewer Patriarchat
2. Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche
3. Ukrainisch-Orthodoxe Kirche, Moskauer Patriarchat.

Barackenlager

Nach dem 2. Weltkrieg hatte die Ukrainisch-Orthodoxe Kirchen-gemeinde im Kasernen-Lager in der Möckernstraße eine nach dem byzantinischen Ritus eingerichtete provisorische Kirche gehabt. Dort wurden Gottesdienste zelebriert, Taufen und Trauungen vorgenommen. Aber schon Ende der 40er Jahre begann die Massenemigration nach Übersee und die zurückgebliebenen Ukrainer mussten in das Baracken-Lager in Hannover-Buchholz, Misburger Mühlenweg (jetzt Milanstraße) umziehen. Zahlenmäßig verkleinert, haben sie dort eine neue provisorische Kapelle eingerichtet, was schon viel schwieriger war, weil die Ukrainer jetzt die Wohnbaracken mit anderen Nationalitäten teilen mussten. Die Gemeinden der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland sind dem Metropoliten für Westeuropa Dr. h.c. Anatolij Dublianskyj unterstellt. Die gesamte Ukrainisch- Orthodoxe Kirche im Ausland wird vom Metropoliten für die USA und die Diaspora S. E. Constantine mit Sitz in Pittsburg, USA, geleitet. 1995 wurde diese Glaubensgemeinschaft unter die Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel aufgenommen und dadurch als kanonisch anerkannt, was bisher strittig war.

Auflösung der Lager

Im Laufe der Jahre wurde das Lager nach und nach aufgelöst und die Baracken abgebrochen. Deshalb mußte die Ukrainisch- Orthodoxe Kirchengemeinde ihre Kapelle dreimal, jedesmal in einer anderen Baracke neu einrichten. 1980 wurde das Lager aufgelöst, die Baracken abgebrochen, deshalb blieb die Gemeinde ohne eigene Kapelle, was sich sehr negativ auf den Zusammenhalt der Gemeinde auswirkte.

Zu Gast

Bis April 1984 durfte die Gemeinde ihre Gottesdienste in der Kirche im Klarissen-Kloster in der Milanstraße feiern. Gelegentlich war die Gemeinde auch zu Gast bei der katholischen St. Martin- Gemeinde oder bei der evangelisch-lutherischen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde im Stadtteil Roderbruch.

UKRAINISCHES ÖKUMENISCHES ZENTRUM
ST. WOLODYMYR

Nach dem Bau des Ukrainischen Ökumenischen Zentrums St. Wolodymyr 1984 in Hannover-Misburg hat die Ukrainisch-Orthodoxe Gemeinde dort ein ständiges Gastrecht erhalten.

DIE GEMEINDE

Die Gemeinde feiert abwechselnd mit der Griechisch-Katholischen Gemeinde ihre Gottesdienste. Zurzeit zählt die Gemeinde ca. 150 Mitglieder, überwiegend sind es Menschen im vorgeschrittenen Alter. Die Gottesdienste werden in ukrainischer Sprache zelebriert. Man betet für den Ökumenischen Patriarchen, den amtierenden Metropoliten und den amtierenden Diözesanbischof. Die kirchlichen Feiertage werden nach dem alten, d.h. Julianischen Kalender gefeiert. Die Schwerpunkte sind, wie bei den Griechisch-Katholischen Ukrainern, Weihnachten und Ostern. Diese, wie auch andere Feiertage, werden gemeinsam mit den unierten Gläubigen gefeiert, denn beide Konfessionen haben denselben Ursprung und die damit verbundene nationale und religiöse Tradition. So wird auch die ökumenische Zusammenarbeit zwischen beiden Konfessionen bekräftigt. Die Kontakte zu den interreligiösen Gemeinschaften werden, wie bei den griechisch-katholischen (unierten) Gläubigen, durch den Pfarrer und andere Gemeindemitglieder aufrechterhalten.

SEELSORGER

Der Pfarrer der Ukrainisch-Orthodoxen Gemeinde St. Wolodymyr in Hannover ist Erzpriester Alexander Kowalskij. Er ist auch für die Gemeinden in Braunschweig, Bielefeld-Senne und Hamburg zuständig. Die Gottesdienste werden in Hannover jeden ersten und vierten Sonntag im Monat zelebriert.