"Gnade bezieht sich auf Gott und die Gläubigen sind ihre eigenen Bemühungen"

Am 7. Oktober fand das traditionelle wöchentliche Treffen zur Auslegung des Heiligen Schrift der Diözesan-Bruderschaft bei der Erzkathedrale statt. Den Vortrag hielt der Gast aus Deutschland, Pfarrer Hannoverscher Kirchen-Gemeinde Erzpriester Andrej Fedchyshyn/ Deutz. Sein Vortrag war eine Fortsetzung von vorigem Thema: Gebet, seine Bedeutung und Durchführung vom Prorektor der Priesterakademie Erzpriester Michael Sivak.

Pater Andrej ging in seinem Vortrag auf die Möglichkeiten der Bibel-Auslegung und auf die verschiedenen Richtungen in der Theologie als eine Wissenschaftsdisziplin. Dabei nahm er Beispiel das Thema Gebet und zeigte die Deutungsmöglichkeiten dieses Begriffs in Biblischer Theologie. Die Hauptfrage seines Vortrag war: Was suchen oder erwarten wir bei der Gestaltung eines Gebets? Jeder Gläubiger der Ostkirche erhofft sich dabei den Kontakt mit dem jeweiligen Heiligen oder sogar mit den Allmächtigen aufnehmen. Dabei will man die Gottes Gnade oder Seine Wohlergehen erlangen. Auf Griechisch heiß  χαρις (charis) und auf Latein gratia.

Bei Deutung dieses Wortes entsteht ein grundliegender Unterschied zwischen der Ost- und Westkirche: unsere katholischen Geschwister sind daran überzeugt, dass ihnen Gottes Gnade geschenkt wurde oder noch wird; in östlicher Kirche herrscht die Meinung: „Gottes Wohlergehen wird von Gott an die Gläubigen schickt und sie können dieses Geschenk mit eigenen Bemühungen erlangen“. Dieser theologische Unterschied stammt noch aus dem 14. Jahrhundert als ein Streit innerhalb Byzantinischen Kirche zwischen Gregor Palama und Barlaam von Kalabrien beim Versuch die Byzantinische an die Lateinische Kirche einzugliedern (unieren). Dabei kam es u.a. zu einer Streitfrage: Kann ein Mensch die Göttliche Herrlichkeit empfanden bzw. sich an sie zu nähen? Barlaam – orthodoxer Theologe und Diplomat sah es als unmöglich; Palama – orthodoxer Mönch und später Metropolit traute den Gläubigen (fast) direkten Kontakt mit Gott, wobei sie das Taborlicht ersehen. Nach 1430 mischte sich der Konstantinopolischer  Imperator in diese Streitigkeit ein, die über dreißig Jahre dauerte: Barlaam konvertierte zum Katholizismus und Palamas Lehre wurde zum Grundsatz der Orthodoxie erklärt.