Wladimir Putin (l.) trifft Pietro Parolin Alexei Nikolsky/POOL SPUTNIK KREMLIN (dpa)

Chefdiplomat des Papstes trifft Präsident Putin

Konstruktiver Dialog am Schwarzen Meer

Mit Außenminister Lawrow hatte er bereits gesprochen. Nun ist der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei seinem Russland-Besuch in Sotschi auch mit Staatspräsident Wladimir Putin zusammengetroffen. Beide waren voll des Lobes.

Themen der Begegnung waren die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Russland unter politischen, kulturellen und humanitären Aspekten, wie der Kreml am Mittwoch im Anschluss an die Begegnung mitteilte. Putin würdigte den Angaben zufolge den "vertrauensvollen und konstruktiven Dialog" zwischen dem Heiligen Stuhl und Russland.

Darüber hinaus begrüßte er, dass Parolin auch Gespräche mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. geführt habe. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die humanitären Werte, die die katholische und die russisch-orthodoxe Kirche verteidigten, die Grundlage für die Beziehungen zwischen beiden Kirchen und zwischen Russland und dem Vatikan bildeten, so Putin.

Würdigung des Dialogs

Parolin würdigte laut Kreml den Dialog zwischen der russisch-orthodoxen und der katholischen Kirche. Hier gebe es seit dem ersten Treffen zwischen Patriarch Kyrill I. und Papst Franziskus im Februar 2016 in der kubanischen Hauptstadt Havanna eine neue Dynamik. Er hoffe, dass sich dies fortsetze und die Zusammenarbeit ausgebaut werden könne. Am Donnerstag reist der Kardinalstaatssekretär zurück nach Rom.

Am Dienstag war Parolin in Moskau mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammengetroffen. Dabei betonte Lawrow, die Haltungen des Vatikan und Russlands zur "friedlichen Beilegung" von internationalen Konflikten und der "Abwehr von Terrorismus und Extremismus" lägen nah beieinander.

Ebenfalls am Dienstag stand ein Treffen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. auf dem Programm. Seine Begegnung mit Papst Franziskus auf Kuba habe eine "neue Etappe in der Entwicklung unserer Beziehungen" eingeläutet, betonte Kyrill I. Auf dieser Grundlage könnten geeignete Vorhaben entwickelt und umgesetzt werden.

Treffen mit katholischen Bischöfen

Am Montag war Parolin, zweithöchster Repräsentant der katholischen Kirche nach Papst Franziskus, mit den vier katholischen Bischöfen Russlands zusammengekommen und vom Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, empfangen worden.

Hilarion kritisierte dabei die dem Papst unterstehende griechisch-katholische Kirche der Ukraine. Er warf ihr "politisierende Stellungnahmen und aggressive Handlungen" vor. Vor Journalisten betonte er, ein Papstbesuch in Russland und eine Reise des Moskauer Patriarchen nach Rom stünden momentan nicht auf der Tagesordnung.

Parolins Besuch ist der ranghöchste aus dem Vatikan in Russland seit 1999. Damals weihte der frühere Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano die katholische Kathedrale in Moskau neu. Als erster Kardinalstaatssekretär war 1988 Agostino Casaroli, der Architekt der vatikanischen Ostpolitik, aus Anlass der 1.000-Jahr-Feier der Christianisierung Russlands nach Moskau gereist. Erst 1991 hatte der Heilige Stuhl in Moskau wieder eine Vertretung eröffnet. Unter Papst Benedikt XVI. (2005-2013) nahmen Russland und der Heilige Stuhl Ende 2009 volle diplomatische Beziehungen auf und beriefen 2010 offiziell Botschafter.

(KNA) 
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